Detox-Tees, Multivitamine, Glucomannan-Kapseln & Co.: Wir erklären bei welchen Nahrungsergänzungsmitteln genauer hingeschaut werden sollte
Nahrungsergänzungsmittel boomen. Ob für mehr Energie, eine bessere Verdauung, weniger Gewicht oder einen „entgifteten“ Körper: Für nahezu jedes Gesundheitsziel gibt es inzwischen das passende Produkt. Doch nicht jedes Supplement hält, was Verpackung und Marketing versprechen.
Wir nehmen fünf besonders beliebte Produktkategorien unter die Lupe und erklären, warum bestimmte Präparate aus unserer Sicht wenig sinnvoll sein können – und worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten.
1. Detox-Tees: Viel Marketing, wenig nachgewiesener Nutzen?
Detox- und Entschlackungstees vermitteln ein attraktives Versprechen: Tee trinken und den Körper gleichzeitig von unerwünschten Stoffen befreien. Doch ganz so einfach funktioniert der menschliche Stoffwechsel nicht.
Der Körper verfügt bereits über leistungsfähige Systeme zur Verarbeitung und Ausscheidung von Stoffwechselprodukten – insbesondere über Leber und Nieren. Ein spezieller „Detox“-Tee ist deshalb nicht automatisch notwendig, um den Körper zu „entgiften“.
Auch bei den häufig verwendeten Pflanzenstoffen lohnt sich ein genauer Blick auf die Zubereitungsform. Mariendistel, Löwenzahn oder Artischocke werden zwar häufig mit positiven Eigenschaften in Verbindung gebracht, doch aus Sicht der Apothekerin ist entscheidend, ob und in welcher Menge die relevanten Inhaltsstoffe überhaupt aus der Pflanze herausgelöst werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Kräutertee grundsätzlich nutzlos ist. Tee kann eine angenehme Möglichkeit sein, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen. Ein vollmundiges Detox-Versprechen sollte jedoch nicht automatisch mit einem wissenschaftlich belegten gesundheitlichen Effekt gleichgesetzt werden.
2. Hochdosierte Multivitaminpräparate: Mehr ist nicht automatisch besser
Vitamine und Mineralstoffe sind lebenswichtig. Daraus folgt jedoch nicht, dass möglichst viele davon in möglichst hoher Dosierung gleichzeitig eingenommen werden sollten.
Eine ausgewogene Ernährung sollte grundsätzlich die Basis der Nährstoffversorgung bilden. Nahrungsergänzung kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn ein konkreter Mehrbedarf besteht oder bestimmte Nährstoffe über die Ernährung nicht ausreichend aufgenommen werden.
Bei vielen hochdosierten Multivitaminprodukten findet sich dagegen eine lange Liste verschiedenster Vitamine und Mineralstoffe. Das kann auf den ersten Blick beeindruckend wirken. Entscheidend ist jedoch nicht die Länge der Zutatenliste, sondern ob die enthaltenen Stoffe in einer sinnvollen Dosierung und für den jeweiligen Bedarf enthalten sind.
Eine möglichst große Anzahl an Inhaltsstoffen macht ein Supplement nicht automatisch besser.
Wer keinen konkreten Grund für eine umfangreiche Supplementierung hat, sollte daher nicht allein aufgrund eines besonders umfangreichen Etiketts zugreifen.
3. Glucomannan in Kapseln: Wenn die empfohlene Menge zum Problem wird
Glucomannan ist ein löslicher Ballaststoff, der aus der Konjakwurzel gewonnen wird. Er kann bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr stark aufquellen und dadurch zu einem längeren Sättigungsgefühl beitragen.
Genau hier liegt allerdings eine Besonderheit: Die sinnvoll eingesetzte Menge lässt sich nicht unbedingt bequem über wenige Kapseln aufnehmen.
Wer Glucomannan gezielt einsetzen möchte, sollte deshalb auf die tatsächlich enthaltene Menge achten und nicht nur auf die Anzahl der Kapseln oder das Versprechen „Appetitzügler“.
Bei pulverförmigen Produkten lässt sich die benötigte Menge in der Regel einfacher erreichen. Gleichzeitig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig.
Bei Glucomannan zählt also nicht das Versprechen auf der Vorderseite der Packung, sondern die tatsächlich enthaltene Menge.
4. Probiotika-Kapseln: Nicht jedes Produkt enthält noch aktive Kulturen
Probiotische Produkte gehören zu den Supplements, bei denen die Qualität und Herstellung eine besonders große Rolle spielen.
Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen. Damit diese während Lagerung und Transport möglichst stabil bleiben, sind geeignete Herstellungs- und Verpackungsverfahren entscheidend. Häufig werden dafür beispielsweise gefriergetrocknete Kulturen verwendet.
Wer ein Probiotikum kauft, sollte deshalb nicht ausschließlich auf eine möglichst große Zahl von Bakterien oder möglichst viele verschiedene Stämme achten. Interessanter sind konkrete Angaben zu den enthaltenen Mikroorganismen, zur Menge, zur Haltbarkeit und zu den Lagerbedingungen.
Denn: „Probiotisch“ auf dem Etikett bedeutet nicht automatisch, dass jedes Produkt gleich hochwertig ist.
Gerade bei diesem Thema kann Marketing schnell wissenschaftlicher klingen, als es tatsächlich ist.
5. Fat-Burner-Kapseln: Vorsicht vor großen Versprechen
Kaum ein Supplement-Bereich arbeitet mit so großen Versprechen wie sogenannte Fat Burner. Schneller Stoffwechsel, mehr Kalorienverbrauch und leichteres Abnehmen klingen verlockend – die Realität ist allerdings deutlich komplizierter.
Viele Produkte setzen beispielsweise stark auf Koffein. Koffein kann kurzfristig bestimmte Stoffwechselprozesse beeinflussen und die Aufmerksamkeit steigern. Eine Koffeinkapsel wird dadurch jedoch nicht automatisch zu einem wirksamen Abnehmprodukt.
Auch andere häufig beworbene Inhaltsstoffe sollten nicht allein aufgrund ihrer Marketingversprechen gekauft werden. Ein einzelner Pflanzenextrakt ist kein Ersatz für eine insgesamt passende Ernährung und einen langfristig sinnvollen Lebensstil.
Besonders kritisch sollte man bei Produkten werden, die mit extrem schnellen Ergebnissen oder nahezu mühelosem Gewichtsverlust werben.
Was macht ein gutes Supplement überhaupt aus?
Die entscheidende Frage lautet nicht: „Welches Supplement ist das beste?“
Sondern:
„Brauche ich dieses Supplement überhaupt – und ist das konkrete Produkt sinnvoll dosiert und hochwertig hergestellt?“
Vor dem Kauf lohnt sich deshalb ein Blick auf mehrere Punkte:
- Welche Inhaltsstoffe sind tatsächlich enthalten?
- Wie hoch ist die Dosierung pro Tagesportion?
- Gibt es belastbare Daten zum jeweiligen Inhaltsstoff?
- Ist klar angegeben, welche Menge tatsächlich eingenommen werden soll?
- Wie wurde das Produkt hergestellt und kontrolliert?
- Gibt es nachvollziehbare Qualitäts- oder Prüfnachweise?
- Passt das Supplement überhaupt zum individuellen Bedarf?
Auch der Preis allein sagt wenig über die Qualität aus. Ein teures Produkt ist nicht automatisch besser – und ein günstiges Produkt nicht automatisch wirkungslos.
Ernährung bleibt die Basis
Nahrungsergänzungsmittel können in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Sie sollten jedoch nicht die Grundlage der Ernährung ersetzen.
Eine abwechslungsreiche Ernährung liefert nicht nur einzelne Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Eiweiß, gesunde Fette und viele weitere Bestandteile.
Deshalb gilt als einfache Faustregel: Erst die Ernährung optimieren, dann gezielt supplementieren.
Wer ein Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte außerdem berücksichtigen, dass auch Vitamine und Mineralstoffe nicht grundsätzlich harmlos sind. Besonders bei hochdosierten Präparaten, mehreren gleichzeitig eingenommenen Produkten oder bestehenden Erkrankungen kann eine individuelle Beratung sinnvoll sein.
